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Die Natürlichkeit von Konflikten

Wir Menschen sind unterschiedlich.

Unser Wahrnehmen, Denken und Handeln unterscheidet sich deutlich von einander. 

Aus dem Grund können wir auch nie vorhersagen, wie unser Gegenüber auf unsere Äußerung reagiert. 

Einzigartigkeit der Kommunikation

Wir Menschen besitzen unterschiedliche Herkünfte, Bildungsgrade, Erfahrungen, haben verschiedene Sozialisationen und Erziehung genossen. Wir haben unterschiedliche Persönlichkeiten und Persönlichkeitsanteile. Wir alle denken anders und nehmen unterschiedliche Dinge wahr. Wir nehmen war auf das wir uns konzentrieren. So kommt es beispielsweise, dass unglückliche Singles überall verliebte Pärchen und Schwangere lauter Babys sehen. Es sind nicht auf einmal mehr- wie es uns in den Fällen scheint- wir konzentrieren uns auf diese Themen und nehmen diese bewusster wahr. 

häufig gehen wir davon aus, dass unsere Mitmenschen das selbe sehen, wahrnehmen und denken. Dies verleiht uns Sicherheit. Wir schließen von uns auf andere. 

In manchen Fällen scheint dies auch zu gelingen. Aber nicht immer. Dafür sind unsere Wahrnehmungen, unser Denken, unsere Strategien und Muster sowie Persönlichkeiten zu komplex. 

Dennoch stellen wir Erwartungen an das Verhalten und Denken, sogar an die Gefühle unseres Gegenübers. 

Wir glauben sogar dies aktiv beeinflussen zu können. Natürlich gibt es hierzu diverse psychologische Tricks, welche oftmals auch gelingen mögen. Aber auch wenn ich mich wiederhole: Wir sind viel zu einzigartig, dass jemand all unsere Gedanken und Schritte voraussagen könnte!

beispiele für die Individualität in der kommunikation

Ein Beispiel aus der Arbeitswelt: Ich habe eine wirklich freundliche Kollegin. Jeden morgen versprüht sie gute Laune. An einem Morgen sieht sie nicht so frisch aus wie gewohnt. Ich frage sie mit freundlicher Intention: "Hey, alles gut bei Dir? Du siehst mitgenommen aus!". Ich nehme an, dass sie etwas sagen wird wie "Oh, wie lieb, danke, dass Du nachfragst!" Möglicherweise bin ich aber auch schon die fünfte Person an diesem Morgen und sie reagiert gereizt: "Was wollt ihr bloß alle heute von mir? Kann ich wenigstens mal in Ruhe meinen Kaffee machen ohne angequatscht zu werden?". Vielleicht hat sie einfach verschlafen und fühlt sich optisch angegriffen und sagt etwas wie: "Ich hab mich heute einfach nicht geschminkt. Ich dachte nicht, dass es so einen Unterschied macht." Oder aber es ist etwas schlimmes passiert und sie bricht sofort in Tränen aus. 

 

Ein Beispiel aus dem Leben einer Paarbeziehung: Mein Mann und ich sitzen im Auto und auf dem Weg zu einem Termin. Und auch, wenn ich ihn sehr gut kenne, kann ich doch nicht erahnen was gerade in ihm vor geht oder habe vielleicht die Verkehrslage nicht im Blick. Wenn ich ihn nun Frage: „Schatz, wann sind wir da?“ Könnte er antworten: „Laut Navi in 10 Minuten.“, vielleicht ist vor uns auch ein riesiger Stau und er reagiert genervt „Du siehst doch, dass wir mitten im Stau stehen. Woher soll ich wissen wie lange das noch so geht?“. Vielleicht hat er auch schlecht geschlafen und müde und antwortet etwas wie „Schau doch einfach selber auf das Navi! Ich kann doch nicht fahren und alles machen!“. Oder er fühlt sich gestresst wegen des Termins und entgegnet „Ich kann nicht noch schneller fahren! Stress mich nicht!“. 

Okay, heute ein wenig aus der Luft gegriffen. Ich kenne tatsächlich keinen stressresistenteren Menschen als meinen Mann und bei so alltäglichen Dingen kann ich in der Regel absehen, was er antworten wird.

Aber eben NICHT immer.

Dafür sind wir Menschen einfach zu komplex.

Und je weniger wir einen Menschen kennen, desto unberechenbarer wird die Situation, das Gespräch, die Antwort. 

Wir können vermuten was in unserem Gegenüber vorgeht, wir können Erwartungen aufstellen, aber wir sollten uns nie hierauf verlassen. 

Differenzen machen unser Leben lebendig und sind für den Fortschritt essenziell

Das ist auch gut so! Dadurch bleibt das Leben lebendig und nur so können Fortschritte und Veränderungen geschehen. 

 

Wir sollten uns dies immer im Kopf behalten und in Kommunikationen die unterschiedlichen Botschaften, Persönlichkeiten, Bedürfnisse und Gefühle betrachten. 

Würden wir alle gleich sein, alle das selbe wahrnehmen, das selbe Denken und entsprechend gleich handeln, gäbe es absolut keine Entwicklung, keine Ideen, keine Veränderung, keinen Fortschritt. 

 

Und gerade darin liegt doch die Essenz des Lebens und unseres Seins: Veränderung und Fortschritt.

Die eigene Verantwortung im Konflikt und innerhalb der Kommunikation

Es ist völlig normal, dass Missverständnisse entstehen- dies liegt in der Natur der Sache.

Unser Umgang ist entscheidend! 

 

Hierzu ist der erste Schritt vorhandene Differenzen und Unterschiede als Gewinn und Chance zu betrachten. Ändern wir unseren Blick, ändern wir unser Denken und unseren Umgang. 

 

Der zweite Schritt ist es bei einem entstandenen Missverständnis oder Konflikt nicht in eine Spirale der Vorwürfe und Schuldzuweisungen zu geraten, sondern anzuerkennen, dass Missverständnisse natürlich sind und es keine Schuld zu klären gibt. An Missverständnissen trägt niemand die Schuld und Differenzen sowie Unterschiede sind gut.

 

Mit dieser Einstellung blicken wir positiv und produktiv auf Konflikte. 

 

Um Konflikte schließlich als Chance zu nutzen, ist es im dritten Schritt wichtig diese offen anzugehen, zu analysieren, zu reflektieren. Klären wir das Missverständnis empathisch auf sachlicher Ebene auf oder reagieren wir emotional und beginnen uns und unser Ego zu verteidigen?!

 

Es ist wichtig zu verstehen, welche Kommunikationsmuster, Gefühle und Bedürfnisse zu dem Konflikt geführt haben. Dies gilt es zu analysieren. Was hat unser Gegenüber verstanden und was haben wir selbst wahrgenommen? Welche Gefühle und Bedürfnisse stehen dahinter? Was benötigen beide Seiten? Was können die Parteien konkret tun?

 

Werden diese Fragen offen und ehrlich geklärt, wird die Basis für ein tieferes Verständnis des eigenen Selbst, des Gegenübers und der gemeinsamen Beziehung geschaffen. Dies ist die große Chance von Konflikten. 

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