· 

Coronaeltern - Eltern in der Quarantäne-Krise

Konfliktlösung und -prävention

Fünf Wochen Quarantäne liegen hinter uns. Quarantäne und Ausgangsbeschränkungen bedeuten für die meisten Paare, Eltern und Familien: finanzielle Sorgen bis hin zu Existenzängsten, Stress, Spagat zwischen Arbeit, Haushalt und Kinderbetreuung, Aufeinanderhocken. 


Homeoffice mit Kindern klingt cool, aber das ist es so ganz und gar nicht: Man oder frau schafft so gut wie nichts und für die Kinder ist es auch alles andere als schön, wenn Mama/Papa da sind, aber keine Zeit haben. Wenige Jobs und Arbeitgeber ermöglichen die nötige Flexibilität. 

Das Resultat: Stress, Überforderung, bis hin zum Burn-out, Konflikte. 


Die Isolation und Abgeschnittenheit sowie Sorgen um die Gesundheit kommen auch noch on top. Das Stresslevel steigt. 


Stress gilt generell als Risikofaktor für Beziehungen. Durch Stress verändert sich episodisch die Persönlichkeit, wir werden gereizter, egoistischer und intoleranter. 

Rücksichtsvolles und liebevolles Verhalten verringert sich.


Und für die Kinder ist es nicht weniger schwer. Für diese bedeutet die Quarantäne Abgeschnittenheit von Gleichaltrigen. Immer mehr PsychologInnen melden sich zu Wort und weisen auf die psychischen Gefahren der Isolation hin: Depression, PTBS. Auch dies müssen die Eltern auffangen und ausgleichen. 


Physische Gewalt gegen Kinder und Frauen- wahrscheinlich auch gegen Männer, aber dies wird weniger gemeldet und ganz sicher auch die psychische Gewalt steigen an. 


In Krisenzeiten und durch den damit einhergehenden Stress werden Paarbeziehungen besonders auf die Probe gestellt. 

Bisherige Absprachen, Routinen, Muster und Rollen sowie Aufgaben funktionieren nicht mehr. Das Paar muss seine Partnerschaft, die Rollen und Aufgaben komplett neu organisieren und das mitten in der Ausnahmesituation. 


Schätzungen zu Folge sollen die Trennungen und Scheidungen nach der Krise deutlich zunehmen. Auch vorher wurde durchschnittlich jede zweite Beziehung/Ehe nach durchschnittlich 14 Jahren getrennt oder geschieden. 


Auf der anderen Seite können Krisen einander näher bringen, die Liebe und Beziehung stärken sowie widerstandsfähiger machen. Dies erfordert ein hohes Maß an Reflexion, Empathie, Kommunikation, Offenheit und natürlich Zeit und Kraft.




Konfliktherde



Um Paare und Familien in dieser Zeit zu unterstützen und eine Hilfe anzubieten, habe ich auf meiner Instagramseite (jasmin_laura_maibach) eine kleine Umfrage gestartet. Hier haben sich folgende Konfliktherde herausgestellt: 

 

  • Fehlende Zeit für sich 
  • Mangelnde Absprachen 
  • Unklare Rollenverteilung
  • Unklare und/oder als ungerecht empfundene Aufgabenverteilung 
  • Stress 


Im folgenden möchte ich auf diese Punkte und Lösungswege eingehen. 


Gerade zu Beginn von Konflikten und zur Konfliktprävention können Paare sich oft noch selber helfen. 

Wenn dies nicht mehr möglich ist rate ich Euch von Herzen Euch Hilfe von Dritten zu suchen. 

Anlaufstellen wären beispielsweise Mediator/innen und Paar-/Familientherapeuten oder Elterncoaches. 

Ich biete Konfliktcoachings und Mediationen online und über das Telefon an. 

Wichtig ist, dass das Paar gemeinsam Hilfe sucht und möchte und sich mit der Methode und vor allem der Person wohl fühlt. 



Stress



Stress beginnt immer in einem selbst, durch Gedanken. 


Als Auslöser für Stress lassen sich in der Regel Überbelastung, Zeitdruck, unerreichbare Zielsetzungen, ausbleibendes Erleben von Kontrolle, fehlendes Gefühl von Verantwortung und Selbstwirksamkeit nennen. 


Stress bedeutet also, dass ein Ungleichgewicht und eine Überforderung existiert, gegen die wir Widerstand leisten, in dem wir gegen sie ankämpfen oder eben fliehen. 


Hinter Stress stehen unerfüllte Bedürfnisse. Wie das Bedürfnis nach Ruhe, Entspannung, Unterstützung, Gerechtigkeit.


Um Stress zu lösen ist es wichtig herauszufinden wodurch dieser entsteht. Eine Reise nach Innen und eine Bedürfnisreflexion sind nötig. 


  • Was stresst Dich? 
  • Was fühlst Du? 
  • Was brauchst Du? 
  • Welche Lösungswege könnte es geben? 



Bedürfnisse



Jeder Mensch hat Bedürfnisse. Eigentlich haben wir alle sogar die gleichen oder zumindest ähnliche Bedürfnisse, aber in ganz unterschiedlicher Priorität und in einem ganz unterschiedlichen Ausmaß- wie die Bedürfnisse nach Nähe und Distanz. Manche Menschen brauchen sehr viel Nähe, Zweisamkeit, Zusammengehörigkeit, Aufmerksamkeit, Liebe undundund. Andere Menschen brauchen dafür mehr Distanz, Ruhe, Zeit für sich. 




Zeit für sich



Mangelnde Ich-Zeit, die Zeit die jeder Mensch braucht, um die eigenen Akkus aufzuladen, zu entspannen und Kraft zu tanken ist so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Jeder benötig etwas anderes, eine unterschiedliche Zeitspanne und Ausmaß. 

Klärt für Euch als Paar, was wer von Euch braucht. 




Empathie



Bei der Klärung von Bedürfnissen und bei der Kommunikation ist Empathie unerlässlich. Macht Euch immer wieder deutlich, dass die Bedürfnisse beider Partner wichtig sind und erfüllt werden sollten und jeder dies in einem ganz unterschiedlichen Ausmaß benötigt. Geht weg von einem Kampf und einem Auf-sich-beziehen. Die Bedürfnisse hängen mit der eigenen Person zusammen und nicht mit dem Gegenüber. 


Heißt: Dein/e Partner/in hat nicht mehr oder weniger Gefühle als Du, nur wenn er/sie mehr oder weniger Zeit für sich braucht. 



Organisation



Absprachen, Aufgaben- und Rollenverteilungen werden in Krisen -insbesondere in dieser, die plötzlich das gesamte Leben durcheinander bringt- auf den Kopf gestellt und müssen völlig neu überdacht und geklärt werden. 

Der geregelte Alltag aus Arbeit, Familienleben, Hobbys und Haushalt, der -zumeist- von mehreren Systemen getragen wird, verlagert sich ohne Vorbereitung komplett auf den eigenen Haushalt. 

Neue Rollen, Aufgaben und vor allem Doppel-Rollen und -Aufgaben kommen mit einem Schlag in das Leben. 

Adieu Alltag, hallo Chaos!

Viele Elternpaare sind plötzlich damit konfrontiert sich nicht nur zu Hause in Isolation zu befinden, sondern währen dieser noch zu arbeiten und für die Kinder da zu sein.

Dieses neue Leben muss neu strukturiert und organisiert werden.  

Versäumt das Paar diese wichtige Aufgabe der Neu-Organisation, sind Stress, Konflikte und Chaos vorprogrammiert. 

Die Neu-Organisation kann (und muss) allerdings nachgeholt werden. Viele Paare fragen sich wie dieses geschehen soll. 



Neu-Organisation: Eine Anleitung


Hier habe ich eine kleine Anleitung für Euch fertiggestellt. 

 

Wenn ihr diese abarbeitet, ist es wichtig, dass ihr Euch vorher auf die Grundregeln verständigt. 

 

Ich schlage Fairness, Realisierbarkeit, Empathie und Teamgefühl vor. 

Fairness in Bezug auf die Gleichberechtigung der Geschlechter. 

Realisierbarkeit darauf bezogen, dass nicht jeder Job die gleiche Flexibilität bereit hält, aber es in der Regel Wege gibt, die gefunden werden können. Muss beispielsweise ein Partner wie sonst auch jeden Tag zur Arbeit und der andere Part bleibt mit den Kindern im Homeoffice, könnte der auswärts arbeitende Partner die Abendstunden mit den Kindern verbringen. 

Empathie als Grundlage jeder Beziehung und Kommunikation ist heute besonders gefordert. Bedenkt, dass jeder Mensch unterschiedliche Bedürfnisse und Bedürfnisstrategien sowie ein unterschiedliches Stresslevel besitzt. Versucht aufeinander Rücksicht zunehmen. 

Denkt daran: Ihr seid ein Team, ein Paar, eine Familie! Seid Miteinander statt Gegeneinander! 

 

1. Übersicht: 

  • Nehmt Euch einen Terminplaner zur Hand- ich empfehle DINA3 Blätter oder ein Flipchart, welche ihr anschließend aufhängen könnt, so dass ihr Eure Ausarbeitung stets vor Augen habt


2. Terminplanung: 

  • Legt Eure Verpflichtungen und Euer Arbeitsvolumen fest 
    • Wer arbeitet wann am besten?
    • Wer hat wann welche Termine und Fristen?
    • Wie könnt ihr diese priorisieren und vereinen?


3. Kinderbetreuung: 

  • Legt fest wer zu welchen Zeiten für die Kinder da ist 
  • Was könnt ihr mit den Kindern schönes unternehmen? 
  • Könnt ihr die Betreuung mit schönen Zeiten, Schulaufgaben und Hausarbeiten bunt und abwechslungsreich gestalten?


4. Haushalt: 

  • Sammelt alle Aufgaben bezüglich Haushalt: 
    • Wer macht was gerne/nicht so gerne?   -> Teilt Euch die Aufgaben ein und notiert diese in Euren Terminplan


5. Familien-Zeit: 

  • Was könnt ihr für Euch als Familie schönes tun? 
  • Plant Euch schöne Ausflüge in die Natur, Spaziergänge, gemeinsame Sporteinheiten, gemeinsames Eisessen und alles ein, was Euch als Familie glücklich macht und gut tut. 


6. Me-Time: 

  • Wo gibt es Räume für Ich-Zeiten, Hobbys, Sport etc? 
  • Wer braucht wie viel und wann? 

 

 

 

Denkt an die Kinder ;) Macht es Euch -und Euren Kids- leichter und erstellt mit diesen, je nach Alter, Hausaufgabenpläne. Welche Hausaufgaben stehen an? Wie können Hausaufgaben sich mit Ausflügen, Ruhephasen und Belohnungen abwechseln? Was brauchen und wünschen Eure Kinder sich? Wie könnt ihr die Kinder in den Haushalt mit einplanen?

Auch die Kleinsten können spielerisch mithelfen- so vereint ihr Haushalt und Kinderbetreuung/-bespaßung. 

 

 

 

Tipps zum Mindset und innerem Umgang mit der aktuellen Krise und wie ihr durch die Krise eine stärkere Paarbeziehung kreieren könnt, findet ihr im vorherigen Blogartikel. Weitere praktische Tipps zur Konfliktvermeidung und -prävention findet ihr auf meinem Instagramkanal (jasmin_laura_maibach).

 

 

Hat Dir der Artikel gefallen? Dann freue ich mich sehr über einen Kommentar von Dir! 

Dir hat der Artikel nicht gefallen oder es sind noch Fragen offen? Auch dann freue ich mich über Kritik und Anregung!

 

 

Brauchst Du weitere Unterstützung? Dann schreibe mir gerne eine E-Mail und wir vereinbaren einen unverbindlichen Termin und schauen, ob ein Konfliktcoaching oder eine Mediation etwas für Dich/Euch ist. 

 

 

Peace, Love & Harmony 

Deine Jasmin Laura