· 

Konfliktfeld: Handyzeit

 „Mein/e Partner/in ist ständig am Handy“, 

„Er/sie beantwortet meine Nachrichten nicht/spät, dabei ist er/sie doch ständig am Handy“, 

„Ich wünsche mir die Aufmerksamkeit die das Handy bekommt“,

„Ohne Handy kenne ich ihn/sie gar nicht mehr“, 

„Mein/e Partner/in ist mehr mit dem Handy zusammen als mit mir“. 




In der letzten Zeit haben mich viele Fragen von Euch dazu erreicht, wie damit umgegangen werden kann, wenn „Handyzeit“ zum Konflikt führt. 



Das Smartphone ist heutzutage  nicht mehr wegzudenken: 


Es ist Kommunikationsmedium Nummer Eins. 


Es führt zu unkomplizierten, schnellen, sofortigen und stetigen Kontakt mit Freunden, Bekannten, Kolleg/innen oder auch Kund/innen. 


Diese stetige Erreichbarkeit ist Fluch und Segen zugleich. Es ist einfacher als jemals zuvor soziale Kontakte zu pflegen und aufzubauen, gleichzeitig kann sich diese Erreichbarkeit auch zu einem Zwang ebendieser entwickeln. 


Das Gefühl erreichbar sein zu müssen, stets präsent sein zu müssen, zeitnah antworten zu müssen wird zu einem inneren Druck. Erreichbarkeit und unmittelbare Rückmeldung werden zum Selbstverständnis der medialen Kommunikation. 



Dabei ist das Handy lange nicht nur Kommunikationsmedium. Es liefert aktuelle Nachrichten, alles Wissen, ersetzt den Kalender, Bücher, das Radio, das Tagebuch, Fitnesstracker, Notizzettel und vieles mehr. 

Alles gebündelt in einem Medium. 




Dies führt natürlich dazu, dass auch die Zeit, die wir am Smartphone verbringen, sich enorm vergrößert. 

Häufig weicht die Produktivität allerdings der Passivität: Das sich Verlieren in sozialen Medien oder Nachrichten. Passives Durchscrollen von Instagram, Beantworten oder Lesen von WhatsApp-Nachrichten. Stundenlanges Versinken im Medium Smartphone ist keine Seltenheit. 



Handyzeit ist in vielen Paarbeziehungen ein Konfliktfeld.

Häufig leidet die Paarzeit zugunsten der Handyzeit. Paare beschweren sich, dass der oder die Partner/in zu viel Zeit am Handy verbringe. 



Wie können derartige Konflikte gelöst werden?



Schauen wir uns doch beide Seiten einmal an. 

In einer Mediation würde ich nun zunächst beide Seiten bitten das Konfliktfeld, die Situation aus der eignen Perspektive, in Ich-Botschaften, möglichst frei von Bewertungen zu schildern.



Die Partei, die (in den Augen des anderen) „zu viel“ Zeit am Handy verbringt könnte hier angeben, dass Dinge erledigt werden müssen. Möglicherweise arbeitet diese Person auch mit oder über das Handy. Eine andere Möglichkeit könnte auch sein, dass das Handy eine Flucht aus dem Alltagsstress bietet: Abschalten. Kopf aus. Ruhe. Pause.



Die andere Seite, die sich mehr Zeit ohne Handy wünscht, möchte die Aufmerksamkeit und Wertschätzung des Partners oder der Partnerin für sich haben. Mehr gemeinsame Zeit. Achtsamkeit. Möglicherweise auch ungestörte Gespräche, gemeinsames Genießen des Moments. 



Wir haben nun also auf der einen Seite das Bedürfnis nach Ruhe und Erholung und auf der anderen Seite das Bedürfnis nach Gemeinsamkeit, Aufmerksamkeit und Wertschätzung.



Dies sind Bedürfnisse die wahrscheinlich beide Parteien gegenseitig nachvollziehen und nachempfinden können. 



Nun gilt es Lösungen zur Vereinbarkeit zu finden. Hier sind die Ideen so individuell wie die Beziehungen und Menschen selbst.



In Mediationen, die ich begleitet habe, haben die Medianten Lösungen gefunden wie Handyfreie Zeiten: kein Handy am Tisch oder am Abend. 

Eine Arbeit an der Kommunikation halte ich hier für empfehlenswert. 


Stört Dich, dass Dein/e Partner/in gerade am Handy ist? Warum? Was brauchst Du? Sprich Deine Gefühle und Bedürfnisse offen und ehrlich an. Zuvor empfehle ich jedoch von der Selbstempathie in die Fremdempathie zu gehen. 


Denn es ist ebenso wichtig, sich in das Gegenüber hineinzuversetzen. Ist Dein/e Partner/in gestresst und sucht sich möglicherweise Ruhe über das Medium? Braucht er oder sie gerade Zeit für sich? Oder hat er/sie gerade etwas wichtiges zu tun? Möglicherweise arbeitet er oder sie, empfindet hier gerade Druck oder Stress, die Aktienmärkte sind eingebrochen, eine tragische Nachricht hat ihn/sie erreicht. 


Anschließend lässt sich das eigene Bedürfnis empathischer formulieren. 


Möglicherweise ist etwas angebracht wie: „Ich wünsche mir einen schönen Abend mit Dir, aktuell bist Du am Handy. Ich bin traurig, weil ich Nähe, also gemeinsame Zeit mit Dir, sowie Aufmerksamkeit brauche. Ich möchte mich gerne mit Dir unterhalten und Deine Aufmerksamkeit. Könntest Du das Handy weglegen, wenn Du mit dem fertig bist, was Du da gerade tust oder ist es dringend/wichtig?“ 


Nimmst Du allerdings wahr, dass es Deinem Partner oder Deiner Partnerin nicht gut geht, er/sie Entspannung braucht könntest Du es auch in dieser Art formulieren: „Wie geht es Dir? Ich habe den Eindruck, dass Du gestresst bist und Ruhe brauchst? Kann ich Dir was gutes tun? Wollen wir gleich zusammen einen Spaziergang machen/uns massieren/einen Film sehen/....?“ oder „Wie geht es Dir? Hast Du noch viel zu erledigen? Kann ich Dich irgendwie unterstützen? Wie wäre es, wenn wir  nachdem Du Deine Dinge erledigt hast, einen schönen Nachmittag/Abend/... zusammen verbringen und gemeinsam abschalten?“. 


Der Part, der nun im Handy versunken ist, könnte diese Empathieübung natürlich durch entsprechende Kommunikation deutlich vereinfachen. „Ich muss noch kurz am Handy zwei Nachrichten beantworten, in 10 Minuten bin ich ganz für Dich da, okay?“ oder „Ich bin hier gerade versunken, ich sitze noch an dem Projekt, es ist wirklich stressig gerade, gib mir noch eine Stunde, dann bin ich fertig und kann mich wieder auf Dich konzentrieren“ oder „Ich checke noch kurz Instagram/Facebook/WhatsApp/Nachrichten/Aktien und schaue ob es etwas wichtiges gibt. Danach packe ich das Handy weg und bin wirklich Da. Ich brauche 15 Minuten für mich“. 


Durch die Selbstempathie und Fremdempathie lassen sich die meisten Beziehungskonflikte lösen bevor sie entstehen.



Mein Ehemann und ich kommunizieren mir dieser Methode und haben hierdurch eine tiefe Beziehung von Empathie, Verbundenheit, Respekt, Akzeptanz und Liebe. Konfliktfrei ist keine Beziehung oder Ehe, dies ist auch nicht der Anspruch, Harmonie und Verbindung sind das Ziel. 



Wie ist es in Deiner Beziehung? 

Spielt das Handy eine Rolle? 

Wie löst ihr hier entstehende Konflikte? 



Alles Liebe, 

Deine Jasmin 







Kommentar schreiben

Kommentare: 0