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Dynamik von Konflikten - Konfliktstufen und Konfliktspirale


Die Entstehung von Konfikten folgt einer immer wiederkehrenden Dynamik. Der so genannten Konfliktspirale. 


Die Konfliktspirale zeigt uns wie Konflikte entstehen und entwickeln. 


Durchschauen wir die Dynamik dieser sich abwärts drehenden Spirale, so können wir die Ebenen mit ein paar Reflexionsübungen durchbrechen. 




Diese Ausführungen sind inspiriert von dem Konflikt-Guru Friedrich Glasl. 

Ich erörtere die folgenden Stufen: 


  1. Unterschiedliche Bedürfnisse
  2. Unterschiedliche Erwartungen
  3. Negative Gefühle
  4. Negative Gedanken
  5. Sinkendes Selbstwertgefühl
  6. Horrorszenarien 
  7. Steigende Aggression/Frustration 
  8. Abgabe der Verantwortung  
  9. Feindbild  
  10. Koalition
  11. Angriffe 
  12. Überraschung 
  13. Gegenangriffe 
  14. Teufelskreis
  15. Knall 


 Und schließlich den Durchbruch der Spirale!



Unterschiedliche Bedürfnisse



Jeder Mensch hat Bedürfnisse. Oft werden wir uns dieser erst klar, wenn wir einen Mangel eines Bedürfnisses erleben. Hier beziehe ich mich am liebsten auf die Bedürfnispyramide von Maslow. Diese zeigt die Stufen und deren Inhalte der menschlichen Bedürfnisse.

Einige Bedürfnisse können wir selber befriedigen (Individualbedürfnisse), andere sind an weitere Personen geknüpft (Kollektivbedürfnisse). 

Zwar hat jeder Mensch die gleichen Bedürfnisse, aber deren Ausprägung sowie Erfüllungsstrategien sind vielfältig. 



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Nehmen wir als Beispiel Susi. 

Susi hat ein hohes Bedürfnis nach einem Wir-Gefühl in ihrer Ehe. 

Dieses Bedürfnis kann sie nicht selber erfüllen, es ist ein Kollektivbedürfnis, für dessen Befriedigung sie mindestens eine weitere Person -eben ihren Mann- benötigt, sie möchte dieses Bedürfnis in ihrer Ehe erfüllt bekommen. 

Für SIE bedeutet Wir-Gedühl, dass ihr Mann Tim sich für das Befinden des anderen interessieren, sich darüber austauschen, Rücksicht auf die Bedürfnisse des anderen nehmen, die anfallenden Aufgaben teilen, sich gegenseitig entlasten. 

Heute fühlt Susi sich nicht sonderlich gut, sie hat schlecht geschlafen, eine Erkältung ist im Anmarsch. Als Team wünscht sie sich nun Unterstützung von ihrem Mann Tim. Das ist ihr Bedürfnis und ihre Erwartung. Sie erwartet, dass Tim die Kinder in den Kindergarten bringt und nach der Arbeit einkaufen geht, damit sie sich ausruhen und auskurieren kann. Das ist IHRE Erwartung an ihren Mann. Susis Ausformung und Bitte zur Befriedigung ihrer  Bedürfnisse nach Ruhe und Unterstützung und einem Wir-Gefühl. 




Unterschiedliche Erwartungen

 

Eine unerfüllte Erwartung ist der häufigste Ausgangspunkt eines Konflikts. Wir stellen Erwartungen an unsere Mitmenschen, unseren Partner, unsere Eltern, unsere Kinder, unsere Kollegen, unsere Mitarbeiter, unsere Vorgesetzte. Oft entsprechen unsere Erwartungen den Verhaltensweisen die wir an eine Beziehung, Positionen und Rollenvorgaben setzen. So erwarten wir von dem Postboten, dass er uns das Paket liefert. Von unserem Partner, dass er uns unterstützt, und zuhört. Von unseren Kollegen, dass sie ihre Arbeit leisten, sich kollegial verhalten. Die Erwartungen sind so vielfältig und unterschiedlich wie die Menschen selbst. 


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In unserem Beispiel wünscht sich Susi die Aufrechterhaltung des Wir-Gefühls, das für sie in der Ehe wichtig ist. Dieses drückt sich für Susi in Unterstützung und Entlastung aus, damit sie ihr Bedürfnis nach Ruhe erfüllen kann. 


Susis Bedürfnis nach einem Wir-Gefühl wird nicht erfüllt. Sie erwartet, dass ihr Mann „von selber“ auf die Idee kommt. „Er muss doch wissen, dass ich das gerade brauche!“ 

Negative Gefühle


Auf unerfüllte Erwartungen folgen negative Gefühle. Wir fühlen uns enttäuscht, frustriert, traurig oder gar wütend. 



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Dadurch, dass Susis Mann ihre Bedürfnisse nicht erahnen kann und diese nicht befriedigt, fühlt sie sich mit ihren Mann nicht verbunden. „Wenn er mich liebt, dann muss er das doch spüren!“  Mehr noch. Susi ist richtig enttäuscht und traurig. Sie braucht doch gerade jetzt Unterstützung und Rücksicht von ihrem Mann! 


Negative Gedanken



Auf die negativen Gefühle der unerfüllten Erwartung folgen meist negative Gedanken. Wir versuchen das Phänomen zu erklären. Warum hat sich unser Gegenüber anders Verhalten als erwartet? Was würde mich dazu bewegen mich so wie mein Gegenüber zu verhalten? Unsere Antworten hierzu fallen meist pessimistisch aus. Das Gegenüber mag uns nicht, respektiert und nicht, hat uns vergessen. 



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Susi denkt sich: „Unglaublich! Ich halte ihm ständig den Rücken frei. Als er letztens krank war, habe ich alles gemacht- ungefragt! Und nun bleibe ich wieder auf allem sitzen! Es ist immer das selbe! Ich stehe immer alleine da!“



Sinkendes Selbstwertgefühl



Im nächsten Schritt neigen wir Menschen dazu das Verhalten des Gegenübers auf uns oder unsere Beziehung zu beziehen. 



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Susi überlegt: „Vielleicht liebt er mich auch gar nicht. Vielleicht bin ich ihm nicht so wichtig.“



Horrorszenarien



Anschließend malen wir uns Horrorszenarien aus: 


Wie soll das so bloß weiter gehen? 

Wie soll sich unsere Beziehung entwickeln? 



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Susi überlegt: „Wenn er nicht einmal jetzt für mich da ist, wie ist es dann, wenn ich mal richtig krank sein sollte. Wir sind kein Team. Sind wir überhaupt ein Wir?!“ 



Aggression und Frustration


Das Selbstmitleid schlägt schnell in Wut und Frustration um. „Ich lasse so etwas nicht mit mir machen!“ Die Aggressionen richten sich nun nach Außen auf unser Gegenüber. 



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„Also ich spiele da nicht mit! Das ist doch keine Ehe! So etwas brauche ich nicht!“, Susi wird zunehmend wütender und frustrierter. 



Verantwortungsabgabe


Aus der Frustration und Aggression gegen unser Gegenüber entstehen Schuldzuweisungen: „Du bist gefühlskalt/egoistisch/gemein/einengend/...“. Die eigene Verantwortung für die eigenen Gefühle und Gedanken wird abgeschrieben und dem Gegenüber zugeschoben. 



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„So ein egoistischer Mensch! Ich opfere ihm alles! Er kann Glück haben so eine Frau wie mich zu haben! Wenn da nicht zurück kommt, dann wird er noch sehen, was er davon hat!!“, fährt Susi auf. 



Feindbild


Unser Denken vereinfacht sich, wir denken zunehmend in Schubladen und Schwarz-Weiß. Wir konzentrieren uns ausschließlich auf die negativen Eigenschaften unseres Gegenübers und schaffen uns ein Feindbild. Statt der rosaroten Brille, setzen wir eine schwarze Brille auf. 



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Susi blendet ihr ansonsten empathisches Denken aus: „Wenn ich es mir so recht überlege, war er schon immer so egoistisch! Er war nie für mich da! Unsere Ehe gründet sich auf einer Fassade!“



Koalition


An dieser Stelle -manchmal auch früher oder später- neigen wir Menschen dazu andere ins Boot zu holen. Es wird nach Bestätigung unseres Feindbildes und Lob unseres Verhaltens gesucht.  



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Susi ruft ihre Freundin an und beschwert sich über das Verhalten ihres Mannes. Nach einem Ratschlag zu Lösung sucht sie schon lange nicht mehr. Sie möchte Wut ablassen und Unterstützung im gemeinsamen Kampf. 



Angriff


Wir können unsere Wut und Aggression nicht mehr für uns behalten und beginnen unser Gegenüber (verbal) anzugreifen. Manchmal platzt es gerade zu aus uns heraus. Das Fass ist übergelaufen. In der heutigen Zeit geht ein persönlicher Angriff auf dem elektronischen Wege noch leichter von der Hand. Die Anonymität und Distanz des geschriebenen Wortes lässt alle Hüllen fallen. 




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Nach dem aufpushenden Gespräch beschließt Susi eine Nachricht an ihren Mann zu senden: „Danke für GARNICHTS!“. 


Überraschung


Spätestens jetzt erfährt unser Gegenüber von unserem Groll. Bisher konnte er es vielleicht vermuten, nun ist es eindeutig. Möglicherweise ist die Gegenseite von unserem Vorwurf und Angriff völlig überrascht. Die Gegenseite versteht nicht, warum sie plötzlich, aus dem Nichts und für sie unbegründet angegriffen wird. 



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Tim ist vollkommen überrascht von Susis Nachricht. Er weiß nicht was los ist, fühlt sich angegriffen und beleidigt: „Was ist denn jetzt wieder los?“



Gegenangriff


Die Gegenseite sieht sich unbegründet angegriffen, fühlt sich enttäuscht, verraten, ungerecht behandelt und geht zum Gegenangriff über. Schließlich muss man sich ja verteidigen und seine Ehre rein waschen. „So einen Vorwurf kann ich doch nicht auf mir sitzen lassen! Das stimmt nicht!“ Die zu Beginn schuldig erklärte Gegenseite weist den Vorwurf an zurück. Die Gegenseite fühlt sich ebenfalls enttäuscht. Ihre Erwartungen an eine funktionierende Beziehung (in privaten oder beruflichen Bereich) wurde ebenfalls nicht erfüllt. Nun durchlebt die zweite Partei ähnliche Gefühle wie die erste Partei zum Konfliktbeginn. Ein Teufelskreis. 



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Tim holt aus: „Dass Du immer so ein Drama aus allem machen musst! Was stimmt nicht mit Dir?! Werd Erwachsen!!“



Teufelskreis


Beide Seiten schieben die Schuld und Verantwortung von sich. Beide Seiten zeigen die jeweils andere Partei an. Angriffe und Gegenangriffe schaukeln sich hoch, bis die ursprüngliche Konfliktursache in den Hintergrund tritt. 


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„Ich bin nicht erwachsen? Bitte? Du bist so ein Egoist und kümmerst Dich nur um Dich selbst! Das ist kindisch!“ 
„Bitte was? Ich kümmere mich nur um mich selbst? Sagt die Richtige! Wer war denn beim Sport, währen ich mich um Kinder und Haushalt gekümmert habe??!“


Der grosse Knall


Die Konfliktspirale spitzt sich zu. Die erste Partei wird zunehmend wütender, schließlich sieht sie sich im Recht und hatte angenommen, dass sich die Gegenseite sich ihrer Schuld bewusst wird. Nun wird die Erwartung an Einsicht, Reue und Entschuldigen enttäuscht. Angriffe und Gegenangriffe sind die Folge dieser Spirale, welche sich zunehmend abwärts bewegt. 



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„Ernsthaft? Ich habe nie Zeit für mich, mache alles, opfere Dir alles und das ist der Dank? Es reicht! Ich mache nicht mehr mit!“ Susi rastet aus! 





Der Durchbruch


Auf jeder Stufe kann eine Partei aussteigen! 


Jede Partei hat zu jeder Phase die Möglichkeit etwas zu verändern und die Kommunikationsspirale zu durchbrechen. 





Die Lösung lautet: EMPATHIE & KOMMUNIKATION! 


Selbstempathie: Was fühle ich? Was brauche ich? Was erwarte ich? 


Kommunikation dieser Selbstreflexion. Dein Gegenüber kann nur wissen was Du brauchst und erwartest, wenn Du dies offen kommunizierst! 


Empathie: Wie geht es meinem Gegenüber? Was braucht und erwartet er oder sie? 


Kommunikation eben dieser Fragen!





Bei starken Gefühlen ist es immer wichtig eine Pause einzulegen:

Die Gefühle abzubauen, herauszulassen, fern ab von der Situation, beispielsweise beim Sport. 


Im Affekt und aus der Wut heraus sollte niemals kommuniziert werden. So stark der Drang auch ist. 


Es ist immer besser die Energie, Wut. Aggression, Frustration, Enttäuschung abzubauen und nicht an der Person, die als vermeintliche Ursache gesehen wird herauszulassen. 


Hier hilft es sich immer wieder bewusst zu machen, dass jeder Mensch unterschiedliche Ausformungen  und Priorisierungen der Bedürfnisse, unterschiedliche Strategien zu deren Erfüllung, andere Wahrnehmungs-/Denk-/Bewertungs-/ und Verhaltensmuster hat. 


So kann unser Gegenüber nicht wissen was in uns vor geht, ebenso weniger können wir wissen, was in unserem Gegenüber vor geht. 



Bedürfnisse kommunizieren!


An jeder Stelle besteht die Möglichkeit die eigenen Bedürfnisse, Erwartungen und Sichtweisen in Ich-Botschaften, frei von Anklagen und Vorwürfen zu kommunizieren.

An jeder Stelle besteht die Möglichkeit das Gegenüber nach seinen/ihren Wahrnehmungen, Sichtweisen und Gründen zu fragen. Diese Chance sollte genutzt werden. Hierdurch haben wir die Möglichkeit unser Gegenüber besser zu verstehen und die Beziehung zu diesem zu verbessern. 




Susi hätte Tim mitteilen können, dass es ihr nicht gut gehe und sie seine Unterstützung brauche und ihre Erwartungen konkret in einer Bitte formulieren können. 
So hätte Tim zumindest um ihr Befinden und ihre Bedürfnisse sowie Erwartungen gewusst. 


Erwartungen prüfen!


Ebenfalls sollten die eigenen Erwartungen auf deren Realität und Notwendigkeit hin überprüft werden.



In unserem Beispiel hätte Susi überlegen können, was sie konkret von ihrem Mann erwarten und bitten könnte. Hier hätte sie auch seine Perspektive einnehmen können. 


Positives Denken!


In Konflikten neigen wir dazu ein Feindbild zu kreieren und konzentrieren uns mehr und mehr auf die scheinbar negativen Eigenschaften und Verhaltensweisen des Gegenübers. 

Um dies zu durchbrechen ist es wichtig, sich ganz bewusst auf die positiven Seiten zu konzentrieren! 

Was schätzt Du an Deinem Gegenüber? Ist er oder sie wirklich so furchtbar oder hat er oder sie auch positive Eigenschaften? 


Verantwortung übernehmen!


Auch die eigene Verantwortung an der Konfliktsprirale sollte durchleuchtet werden. 


An welcher Stelle hätte empathischer oder objektiver reagiert und kommuniziert werden können? 


 Wo haben Interpretationen den Konflikt verursacht oder verschlimmert? 


Hat es das gegenüber wirklich auf uns abgesehen? 


Welche anderen Möglichkeiten und Gründe hätten zu dem Verhalten führen können? 


Im besten und einfachsten Fall fragen wir unser Gegenüber einfach! 



Empathie, Kommunikation, Empathie, Kommunikation!


Natürlich kann ewig spekuliert, analysiert und interpretieren werden. Jedoch weiß nur die Person selbst was in ihr vor geht und warum diese wie gehandelt hat. Oft haben wir Angst vor der Antwort, aber diese sind selten so schlimm wie unsere Ideen dazu. Manchmal brauchen wir auch diesen provozierten Streit, um durch einen Mittelsmann andere Konflikte abzubauen. Hier sollten wir tief in uns hineinschauen und uns fragen was los ist. 





(Selbst-) Empathie und Kommunikation sollten in Konfliktsituationen und am besten permanent im Wechsel geschehen! 


Was brauche ich? 

Was brauchst Du? 





Hast Du einen Konflikt und weißt nicht mehr weiter? 

Du möchtest eine harmonische Beziehung und Frieden- weißt aber nicht von wie? 


Ich biete Eins-zu-Eins-Mediation und Mediationen an- per Telefon, Zoom, Skype oder vor Ort. 


Gerne helfe ich Dir Deinen Konflikt zu lösen! 



Alle Liebe, 


Deine Jasmin









 




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