· 

Die harmonische Disharmonie

Bevor wir über Konflikte sprechen, sollten wir wissen wovon überhaupt die Rede ist. Was ist ein Konflikt? Wie entstehen Konflikte? Sind Konflikte schlimm oder haben sie sogar positive Seiten? 


Im Alltag fürchten wir uns häufig vor Konflikten. Schließlich passen diese so gar nicht in unser schönes Leben. Vor allem jetzt so kurz vor den Feiertagen nicht! Aber ist es wirklich harmonisch, wenn wir insgeheim eine Disharmonie erleben? Ist eine harmonische Fassade harmonischer als eine angesprochene Disharmonie mit der Chance eine tatsächliche Harmonie zu erreichen? Und wie lange kann es gut gehen einen Konflikt für sich zu behalten?


Die einfachste Lösung scheint die Flucht oder Vermeidung vor dem Konflikt - Allerdings nur auf den ersten Blick. 

Unter der perfekten Oberfläche brodelt die Konflikte weiter bis sie sich wie ein Vulkan entladen. Streit, starke Gefühle, Impulskontrollen sind die Folge. 


Im Nachhinein wird reflektiert, dass es wohl doch besser gewesen wäre das empfundene Missverhältnis sofort anzusprechen und das Problem direkt zu klären, anstatt zu warten bis es zu spät ist und einem der Konflikt um die Ohren fliegt und in einem Drama endet. 


Warum versuchen wir also nicht direkt Dinge die uns stören, verletzen, welche die Erfüllung unserer Bedürfnisse verhindern, anzusprechen? 

Du hast Angst was passieren könnte und, dass ein Streit vom Zaun bricht? 

Was wäre die Alternative und was würde passieren, wenn du nichts ansprichst und abwartest? Entweder du bleibst oder wirst unglücklich oder am Ende entsteht ein noch viel größerer Konflikt, der Deine Beziehung belastet. 


🔸 Löse Dich vor der Angst vor Konflikten. Durch ein wertschätzendes, offenes und klares Ansprechen DEINER Gefühle und DEINER Bedürfnisse erhält Dein Partner/ Deine Partnerin überhaupt erst die Möglichkeit Dich kennen und verstehen zu lernen. Dadurch kann sich Eure Beziehung und Bindung vertiefen. 🔸





Was ist ein Konflikt?

Um sich von der Angst vor Konflikten zu lösen, ist es wichtig zu verstehen, was ein Konflikt überhaupt ist: 

Es wird zwischen Auseinandersetzung, Konflikt und Streit entschieden. Umgangssprachlich ist meist das selbe gemeint. Im Duden wird die Auseinandersetzung als „Diskussion, Debatte Streit)Gespräch, scharfe, erbitterte Auseinandersetzung, (mit Worten ausgetragener) heftiger Streit, Kontroverse“ definiert. Konflikt (lat. conflictus = Zusammenstoß) wird als „durch das Aufeinanderprallen widerstreitender Auffassungen, Interessen o.ä. Entstandene schwierige Situation, die zum Zerwürfnis führen kann“. Streit wird hier als „heftiges Sichauseinandersetzen, Zanken (mit einem persönlichen Gegner) in oft erregten Erörterungen, hitzigen Wortwechseln, oft auch in Handgreiflichkeiten“ definiert. 


Friedrich Glasl definiert Konflikte wie folgt: „Sozialer Konflikt ist eine Interaktion 

  • zwischen Akteuren (Individuen, Gruppen, Organisationen usw.), 
  • Wobei wenigstens ein Aktor
  • Differenzen (Unterschiede, Widersprüche, Unvereinbarkeiten) im Wahrnehmen und im Denken/Vorstellen/Interpretieren und im Fühlen und im Wollen 
  • Mit dem anderen Aktor (den anderen Aktoren) in der Art erlebt, 
  • Daß im realisieren eine Beeinträchtigung 
  • Durch einen anderen Aktor (die anderen Aktoren) erfolge“: (Glasl 2002) 


Konflikte sind also Differenzen und Unterschiede zwischen mindestens zwei Personen, die mindestens eine Person als Beeinträchtigung empfindet. Heißt: Differenzen sind natürlich und gefährden unser Zusammenleben nicht, so lange sie uns nicht beeinträchtigen. So stört mich das Verhalten oder die Einstellungen meines Partners/meiner Partnerin, meiner Freunde, Kinder oder Kollegen nicht, auch wenn diese meinen nicht ansprechen. Zumindest so lange bis mein Fühlen oder Wollen beeinträchtigt wird. Dies kann von Tag zu Tag, von Beziehung zu Beziehung und von Moment zu Moment wechseln, schließlich haben wir in unterschiedlichen Situationen, zu unterschiedlichen Tageszeiten, in unterschiedlichen Kontexten und Beziehungen auch unterschiedliche Bedürfnisse. Das erklärt, warum es uns beispielsweise nicht stört, wenn der Kollege nicht sofort auf eine Email antwortet, bei unserem Partner oder unserer Partnerin vielleicht verärgert reagieren, weil unser Bedürfnis nach Kontakt und Liebe nicht erfüllt wird. 


🔸 Wir alle haben Bedürfnisse und zwar ganz schön viele. Es ist wichtig diese wahrzunehmen. Manche spüren wir direkt, andere bleiben versteckt. Oft können wir Konflikte vor ihrer Entstehung verhindern, wenn wir in uns schauen, auf uns achten und unsere Bedürfnisse und Wünsche frühzeitig kommunizieren.🔸 

Wie entstehen Konflikte?

Wir alle haben Bedürfnisse und zwar ganz schön viele. Es ist wichtig diese wahrzunehmen. Manche spüren wir direkt, andere bleiben versteckt. Oft können wir Konflikte vor ihrer Entstehung verhindern, wenn wir in uns schauen, auf uns achten und unsere Bedürfnisse und Wünsche frühzeitig kommunizieren. 

g empfundene Differenzen des Wahrnehmen, Wollens, Fühlens oder der Bedürfnisse. 


Wird eine Differenz nicht als störend empfunden entwickelt sich kein Konflikt. Erst, wenn die Interessen, Vorstellungen, Wahrnehmungen oder Bedürfnisse nicht vereinbar sind und eine Person ihre Interessen zurück stellen muss, entwickelt sich ein Konflikt: Nimmt jemand das letzte Stück Schokolade, dass ich sowieso nicht wollte, entsteht kein Konflikt. Hatte ich es aber auf dieses Stück abgesehen, empfinde ich diese Differenz als störend, da mein Interesse missachtet wird. Wenn nun die Interessen unvereinbar scheinen, weder ich noch die andere Person nachgeben entsteht ein Konflikt.


Beispielsweise das Bedürfnis nach Liebe. Ein ziemlich wichtiges Bedürfnis. Meist sehen wir dieses durch unsere Partnerschaft erfüllt. Oft erwarten wir, dass unser Partner uns bestätigt, für uns da ist, mit Worten und Taten mitteilt, dass er uns liebt. Die Erwartungen sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. 

Wird in Dein Bedürfnis nach Liebe und Anerkennung in Deiner Beziehung nun nicht erfüllt, erlebst Du einen Mangel und entsprechend negative Gefühle. Du fühlst Dich möglicherweise traurig oder bist wütend, weil Du Dich nicht ausreichend geliebt fühlst und siehst Deinen Partner dafür zuständig. Du siehst also die Erfüllung Deines Bedürfnisses nach Liebe durch Deinen Partner/ Deine Partnerin und dessen Verhalten in Gefahr. 


🔸 Konflikte entstehen aus Differenzen und Unterschieden, die ganz natürlich sind und erst zum Konflikt werden, wenn Du dadurch die Erfüllung Deiner Bedürfnisse in Gefahr siehst. 🔸

Chancen und Risiken von Konflikten

Konflikte werden oft als etwas Negatives angesehen. Dabei bergen Konflikte Chancen wie auch Risiken. Ungelöst können Konflikte die involvierten Personen oder Gruppen sowie deren Kommunikation belasten und eskalieren. Ungelöste Konflikte wirken sich negativ auf das Miteinander, Zusammenleben und Zusammenarbeiten aus, wirken demotivierend. Auf der anderen Seite bergen Konflikte ein großes Potential. Sie weisen auf den aktuellen Stand und mögliche sowie nötige Verbesserungen hin. Sie bieten die Möglichkeit zur Veränderung. Gelöste Konflikte verbessern das Zusammenleben und -arbeiten und können die Beziehungen vertiefen. 


🔸 Wie kannst du die positiven Möglichkeiten eines Konfliktes nutzen? Was kannst Du beispielsweise nun tun, wenn Du in einer Partnerschaft lebst und Dein Bedürfnis oder deine damit zusammen hängende Erwartung nach Liebe nicht erfüllt wird? Deine Einstellung über Konflikte hängt mit Deiner Reaktion zusammen. Konflikte sind einer wirklich gute Chance Dich und Deine Bedürfnisse kennen zu lernen! Nutze diese Chance! Nutze Sie, um in Dich hineinzuschauen, Dich besser kennen zu lernen, Deine Bedürfnisse, Deine Erwartungen und Deine Denk- und Handlungsmuster zu überprüfen. Was fühlst du? Was brauchst du? Was Erwartest du? Welches Bedürfnis steht dahinter? Ist Deine Erwartung realistisch? Wie könnte dieses Bedürfnis noch erfüllt werden? Kannst Du das Bedürfnis selbst erfüllen oder braucht Du Deinen Partner? Wenn Dein Partner für Deine Bedürfniserfüllung essenziell ist: Berichte Deinem Partner von DEINER Wahrnehmung, DEINEN Gefühlen, DEINEN Bedürfnissen und sage ihm/ihr, ganz konkret, was DU Dir wünschst und brauchst. So lernst nicht nur Du Dich besser kennen, sondern gibst auch Deinem/Deiner Partner/in die Chance dazu. Dadurch wächst Eure Vertrautheit und Liebe. 🔸

 

Hast Du aktuell einen Konflikt? Ist er bereits angesprochen und offen gelegt oder brodelt er verdeckt vor sich hin? 

 

Wie würde es weiter gehen, wenn Du den Konflikt niemals ansprechen würdest?

Wie könnte es weiter gehen, wenn du Deinen Mut zusammenfasst und den Konflikt offen und wertschätzend ansprichst?



🔸🔸🔸



 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0